Dennoch sind eine Reihe theoretischer und pragmatischer Fragen offen geblieben, denen sich der Arbeitskreis auf mehreren Tagungen anzunähern versuchte. So wurde bislang mehr unterstellt als reflektiert, welche Funktion Emotionen für unterschiedliche soziale Dynamiken und damit auch für den historischen Wandel haben. In historiographischen Texten hat die Thematisierung von Emotionen daher häufig einen rhetorischen Status, wenn „wirklich gefühlte“ Emotionen historischer Subjekte Explikationslücken schließen sollen, etwa, um den Erfolg nationalistischer Ideologeme zu erklären. Dies verweist auf die offene Frage, wie ein adäquates methodisches Instrumentarium aussehen sollte, mit dem das komplexe Verhältnis zwischen den in historischen Zeugnissen repräsentierten Emotionen und einer darin enthaltenen, darüber aber auch hinausgehenden emotionalen Vergangenheit untersucht werden kann. Ließ sich die hermeneutische Unterscheidung zwischen Erfahrung und Erlebnis in den letzten Jahren eher in der Diskussion um eine „Erfahrungsgeschichte“ auffinden, so rückt mit den Emotionen eine Erlebnisgeschichte in den Blick, die von „ästhetischen Erfahrungen“ ausgeht (Kaspar Maase). Mit Emotionen könnte man sich dem Erlebnis als eine zentrale Kategorie der Moderne (Veralltäglichung von Außeralltäglichkeit usw.) nähern, die in so unterschiedlichen Feldern wie Religion, Sexualität, Konsum, Unterhaltungskultur, Krieg oder politischen Feiern zum Tragen kam.
Der Arbeitskreis widmete sich diesen Fragen zunächst durch eine Bestandsaufnahme und Diskussion der vorliegenden theoretischen Texte und einiger Anwendungsbeispiele (Tagungen XV u. XVI). Im Rahmen der ersten öffentlichen Tagung dieses Schwerpunkts über „Medien und Emotionen: Zur Geschichte ihrer Beziehungen seit dem 19. Jahrhundert” im Februar 2005 wurden vor allem drei Felder betrachtet: die Diskurse über Medien und Emotionen, die mediale Repräsentation von Emotionen und emotionalen Praktiken. Die zweite öffentliche Tagung fand unter dem Titel „Rationalisierungen des Gefühls: Zum Verhältnis von Wissenschaft und Emotionalität 1880-1930” im Oktober 2006 statt und beschäftigte sich mit der Wissenschaftsgeschichte der Gefühle. Die dritte Tagung war im September 2007 dem Thema „Die Präsenz der Gefühle. Männlichkeit und Emotion in der Moderne” gewidmet.
Der Schwerpunkt stand im Kontext zu laufenden Forschungsarbeiten von
Arbeitskreismitgliedern über Geographien der Liebe im Europa
des 20. Jahrhunderts ( Alexander C.T. Geppert), zur Codierung
männlicher Gefühle im Bürgertum des 19.
Jahrhunderts (Nina Verheyen), zur öffentlichen
Empörung im Kontext von Skandalen (Frank Bösch), zur
Identitätsbildung in der Zwischenkriegszeit (Moritz
Föllmer) und zur Gewalt in Ruanda (Karen Krüger).
Ansprechpartner: Frank Bösch und Alexa Geisthövel