
Habbo Knoch/Daniel Morat (Hg.)
Kommunikation als Beobachtung
Medienwandel und Gesellschaftsbilder 1880-1960
Wilhelm Fink Verlag
München 2003
251 Seiten, 7 s/w Abb., kart.,
EUR 32,90/sFr 56,00
ISBN 3-7705-3822 6
Die digitale Wende der Gegenwart begleitet ein ausgeprägtes
Bewußtsein des epochalen Wandels durch mediale Innovationen.
Doch werden die Voraussetzungen dafür leicht
übersehen: Bereits während der Massenmedialisierung
vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts kam es zu
vielfältigen kritischen Beobachtungen des
Verhältnisses von Medien und Gesellschaft. Hier entstanden
nicht nur grundlegende Kategorien der erst später etablierten
Medienwissenschaft. Die Reflexionen und Analysen trugen vor allem zur
Integration der modernen Massenmedien in eine Gesellschaft bei, die
erst in dieser Zeit begann, sich selbst zum Gegenstand zu machen.
Diesen vielfältigen Prozessen einer Selbstthematisierung als
Medien- und Kommunikationsgesellschaft zwischen 1880 und 1960 wenden
sich die Beiträge dieses Bandes aus den Perspektiven der
Geschichts-, Literatur- und Medienwissenschaften zu. Sie fassen diesen
Zeitraum als „massenmediale Sattelzeit“, weil sich
die einzelnen Massenmedien nicht allein technisch durchsetzten: Gerade
als eine Grundlage ihres Siegeszugs bildete sich eine Selbstbeobachtung
über die Entwicklung des massenmedialen Regimes als zweite
Ordnung der Kommunikation heraus.
Neben frühen Medienanalysen werden dazu gesellschaftliche
Praktiken der Kommunikation und der kommunikativen Selbstreferenz
anhand von Beispielen untersucht, die vom Bürgertum des
späten 19. Jahrhunderts bis zu den politischen Parteien der
frühen Bundesrepublik reichen. Dabei gewinnen insbesondere die
vertrauten Zäsuren der Mediengeschichte ein neues Profil, weil
sie mit den Wandlungen im Selbstverständnis der modernen
Gesellschaft zusammengelesen werden und so das
Wechselverhältnis zwischen Mediengesellschaft und Gesellschaft
als Medium komplex und methodisch anregend historisiert wird.